Wer will schon erwachsen sein?

Ich wünschte die größte Verantwortung in meinem Leben wäre wieder der Tafeldienst.

Okay die Schulzeit war damals schon ein bisschen nervig. Immer diese Hausaufgaben, Unterrichtsstoff den ich (wie ich heute weiß) nie wieder im Leben brauche und nervige Lehrer. Dafür hatten wir Freizeit und waren einfach sorglos. Meine größte Sorge war ob die Mathearbeit wohl eine 3 oder eine 4 wird. Nach dem Mittagessen sprangen wir einfach auf und gingen spielen. Einfach so ohne die Spülmaschine auszuräumen, noch schnell nebenbei eine Waschmaschine anzustellen und dann das Bad zu putzen. Unser Leben war wie eine Kirmes – von der Achterbahn ins Riesenrad und ab zum Zuckerwattenstand.

 

Zu meinem 18. Geburtstag lag ein Brief im Briefkasten. Nein – es war keine Glückwunschkarte. Es war ein Brief meiner Bank, dass ich nun Kontoführungsgebühren bezahlen muss. Ich glaube so fing das alles an mit dem Erwachsen werden.

Keiner hat gesagt das Erwachsen sein so anstrengend ist. Ab und Zu wünschte ich mir das die größte Verantwortung im meinem Leben wieder der Tafeldienst sei.

Dann ging das mit der Arbeit los…

Man muss zur Arbeit und Geld verdienen, denn als Erwachsener macht man das so. Im Briefkasten ist dann öfters Post – Rechnungen, Versicherungsunterlagen, GEZ. Alle finden dich!

Als Kind hat man dann diesen Traumjob im Kopf. Bei mir war es eindeutig ein Job beim Radio. Dann bekam ich den Ausbildungsplatz als Bürokauffrau. Na ja erstmal drei Jahre solide Ausbildung, dann kann ich ja immer noch was anderes machen. Aber wenn man einmal Gehalt auf dem Konto hat ist man in einer Art Bann. Man kommt nicht mehr davon los. Also sitze ich auch heute noch im Büro. Zum Glück haben mir die abwechselnden Tätigkeitsfelder immer Spaß gemacht. Glaube sonst hält man das bis zur Rente nicht durch. Meine kreative Ader lebe ich jetzt beim Singen in der Band oder bei der Fotografie, mit meiner Canon in der Hand, aus.

Irgendwann wenn man Erwachsen ist muss man ausziehen, wenn man nicht gerade „Bauer sucht Frau like“ in der Echtholzküche seiner Eltern ohne äußere Kontakte alt werden möchte. Also zogen wir in eine kleine Maisonettwohnung. „Genießt die Zeit zur Zweit“, haben uns alle geraten. Doch diese muss man erstmal haben. Kochen, Putzen, Wäsche, Einkaufen und vieles mehr steht auf dem Plan. Wenn man Tiefkühlessen isst hat man sein Leben anscheinend nicht im Griff. Der Druck der Gesellschaft perfekt zu sein wird immer größer.

Den Bürgersteig muss man Sonntag morgens immer schön kehren, denn was denken sonst wohl die Nachbarn? Ach ja man muss es morgens tun, denn wer bleibt schon lange im Bett liegen – das ist doch Assi! Dann hat man noch diese Verpflichtungen, Termine und diese Verantwortung. Ein Leben als Erwachsener ist schon nicht einfach.

 

Am meisten gefallen mir die Erwachsenen-Gespräche: „Wie sieht denn dein 5-Jahresplan für dein Leben aus?“

5-Jahresplan !? – ganz ehrlich ich weiß ja noch nicht mal was ich in der nächsten Woche für Termine habe. Erstmal muss ich morgens um 6.30 Uhr aufstehen, den Rest überlege ich mir dann!

Mit meinem spontanen ins Leben hineinleben war ich bisher immer glücklich und das werde ich mir auch beibehalten. Nicht alles muss ins Kleinste geplant werden oder so gemacht werden, wie die Anderen das machen. Ab und zu darf man auch einfach mal Schaukeln gehen und das obwohl der Wäschekorb noch nicht gebügelt ist. Auf das Vanilleeis darf man auch als Ü18-Mensch Streusel streuen. Vergesst vor lauter Erwachsensein nie das Kind in euch. Lasst es raus und tanzt durch die Küche zu eurem Lieblingssong!

Oder wie Pippi Langstrumpf es sagen würde:“ Ich mach mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt!“